Logbuch Tasmanien 2011 / 2012

2. Expeditionsbericht vom 28.12.2011

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Um den Sicherheitsfaktor der Kajakumrundung von Tasmanien zu erhöhen, haben wir uns entschieden, die überwältigende Südküste zu erkunden, auf dem so genannten South Coast Treck. Wir verlassen Hobart per Rad in Richtung Süden nach Cockle Creek, dem südlichsten Ort Australiens und dem Startpunkt der ca. 100 km langen Wanderung. Unsere Räder bleiben am Parkeingang zurück, während wir mit schwer bepackten Rucksäcken durch Buttongraslandschaften stiefeln.

Dieser Walk zählt zu den schönsten Küstenwanderungen der Welt und einsamste Strände warten auf uns. Aber um dort hinzugelangen stapfen wir im Regen durch knietiefen Schlamm, bergauf und bergab. Wir schwitzen und frieren uns über bis zu 1.000 m hohe Gebirge und suchen sichere Pfade durch hüfttiefe, dunkelbraun gefärbte Flüsse. Im Zickzack führt uns der Weg um gewaltige und uralte Eukalypten herum, bis wir wieder an einem weiteren Strand, am Ende der Welt, durch weißen Sand laufen. Jetzt bei Sturm und Regenwetter ist das Meer aufgepeitscht und die Wellen sind bis zu 5 m hoch.

Eigentlich wollten wir nur 4 Tage hinein und dann auf demselben Weg wieder heraus laufen. Doch keiner von uns beiden möchte die endlosen Schlammpassagen noch einmal durchqueren. Deshalb folgen wir dem Pfad einfach weiter. Unser Ziel ist Malaleuca, mit einer kleinen Landebahn und einer Rangerstation, mitten in der Wildnis, fernab jeglicher Zivilisation. Von hier wollen wir nach einer Woche Marsch zurück nach Hobart fliegen, sofern uns überhaupt ein Flugzeug mitnimmt. Doch wir haben großes Glück, am nächsten Tag landet eine Propellermaschine und bevor wir bis zwei gezählt haben, sind wir auch schon in der Luft. Unter uns nichts außer urtümliche Landschaften, mit bis über 1.200 m hohen Gipfeln, wie dem Federation Peak. Schon nach einer Stunde erreichen wir den Flughafen von Hobart.

Ein Freund bringt uns im Auto ein Stück nach Süden, da wir wieder nach Cockle Creek zurück müssen, um dort unsere Räder zu holen. Die 150 km weite Strecke trampen wir und brauchen mit sehr viel Glück nur 7 Autos, die uns zum Ausgangspunkt zurück bringen. Wieder auf den Rädern geht es nach Norden, abermals zurück nach Hobart.

Als wir schließlich wieder auf unserem Campingplatz eintreffen, bekommen wir eine sehr freundliche Einladung von Greg und seiner Frau Anna, über Weihnachten in Ihr Haus nach Kingston zu ziehen. Dort arbeiten wir akribisch an unseren Kajaks, welche in der Zwischenzeit zum Glück von Melbourne hier eingetroffen sind. Wir müssen elektrische Lenspumpen einbauen und unternehmen einige Verbesserungen mit der Hilfe von Greg. Er kontaktiert auch die bekanntesten Kajakfahrer Tasmaniens, welche uns mit sehr wichtigen Informationen weiterhelfen.

Es ist Weihnachten und am 25. 12.2011 (Christmas Eve) feiern wir inmitten einer tasmanischen Familie. Zu Gast sind auch der 92 Jahre alte Vater und die 88 Jahre alte Mutter von Greg, alles ist sehr warmherzig und einfach wunderbar.

Der Stichtag zum Start der Umrundung Tasmaniens ist der 27.12.2011 und die Spannung steigt ins Unermessliche. Unsere Gedanken kreisen 360 Grad, damit wir auch ja nichts vergessen haben: Short Wave Radio für Marine Wetternachrichten, GPS, Laptop mit australischer Telekom Karte, Extra Batterien, Iperb mit GPS Trekking System für Seenotrettung, Kompass, Livejacket, Extra Paddel, unzählige Karten im Maßstab 1 : 100.000, viele Trockennahrungsmittel, usw.. Wir transportieren ca. 70 Kilogramm Ausrüstung und Verpflegung pro Kajak.

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr früh und wir hasten von einer Ecke zur nächsten, um alles fertig zu machen. Schwer beladen werden die Kajaks auf das Dach von Gregs Transporter geschnallt, die Ladefläche ist voll mit Ausrüstung. Der Startpunkt unserer Circumnavigation ist der Strand von Kingston, an der Mündung des Dervent River zum freien Meer.
"Die alten Hasen" (Tasmaniens Kajaklegenden) sind mit dabei, um uns auf den ersten Metern zu begleiten. Zum Beispiel der Polizist "Matthiew Watton", welcher Tasmanien schon 3 Mal allein im Kajak umrundet hat. Gemeinsam navigieren wir uns hinaus in die Storm Bay, zum Ironpot, einer Insel mit dem zweitältesten Leuchtturm Australiens. Hier wurde vor ca. 150 Jahren in Eisenpötten das Fett der gefangenen Wale zu Tran verkocht.

Unsere fünf Begleiter, darunter unser Gastgeber Greg, verabschieden sich einer nach dem anderen und wünschen uns alles Gute für unsere Tour. Nun sind wir allein und paddeln in die unberechenbare, offene See, neuen Abenteuern entgegen.

GIL & PEER
Tasmanien, am 28.12.2011

 

Impressionen

 

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